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3976 Höhenmeter – Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

BY Kevin

“Lava, lava, there is lava, guys!” Dieser Satz wird mehrmals am Abend gebrüllt. Die Trekkingtour zum Gipfel des Acatenango Vulkans vergisst man nicht so schnell. Bei einem 2-Tages-Trip begibt man sich auf fast 4000 Höhenmeter und überblickt Guatemala. Die Zelte sind am Berghang mit Blickrichtung des aktiven Vulkans Fuego aufgebaut. Alle paar Minute kommt es zu einer Eruption mit gigantischer Rauchwolke! Der Marsch zum Summit des Acatenango für einen unvergesslichen Sonnenaufgang in Mittelamerika hat uns dann völlig den Atem geraubt. Hier erfährst du alle Tipps für die Besteigung des Acatenango Vulkans. Alles was du über den Trip von Antigua aus wissen musst, welche Fitness du mitbringen solltest und warum dieser Gipfel es auf unsere Bucket List geschafft hat.

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Vulkane: Acatenango & Fuego

Insgesamt 37 Vulkane gibt es in Guatemala, von denen noch drei aktiv sind. Darunter der Vulkan Fuego, einer der Aktivsten des gesamten Landes. Seine häufigen, aber nicht starken Ausbrüche sorgen dafür, dass oft Rauchwolken über seinem Krater stehen und man ihn auch von entfernten Städten Lava spucken sieht. Der Volcán de Fuego ist der Zwilling des Volcán de Acatenango – beide bilden die Vulkankette La Horqueta.

Während der Wanderung zum Acatenango sieht man Fuego dementsprechend in vollster Pracht und er ist somit interessanter, da man seine Eruptionen live zu spüren bekommt. Der Acatenango, der dritthöchste Vulkan des Landes, ist ein Schichtvulkan, der nicht mehr aktiv ist und wir so in einem, der zwei Hauptkrater des Vulkans stehen konnten. Die letzte Eruption erfolgte 1972 und sorgte für einen Aschefall in einer Entfernung von 25 Kilometern. Das Ganze ist somit kein Kinderspiel, da man die Wucht der Natur zu spüren bekommt.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala - Fuego

Wo liegt der Acatenango

Der Acatenango streckt sich südlich des Atitlan Sees in die Höhe. Von Panajachel, der City am See, oder von Antigua, der schönen Kolonialstadt, ist es nicht weit, sodass man den Gipfel easy auf seiner Backpacking Tour durch Guatemala einbauen kann. Antigua und der See sind sowieso ein Muss bei einer Rundreise, sodass man keinen Umweg für die Besteigung in Kauf nehmen muss. Die Touren starten auch direkt von den Städten, sodass der Transport also Teil der Tour ist. Von Antigua musst du mit etwa einer Stunde Fahrtzeit rechnen.

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Die Touren zum Acatenango

Wir sprechen hier von 3967 Höhenmetern. Der Acatenango ist also kein lockerer Halbtagesausflug, sondern etwas für Leute die Action suchen und wollen! Die Tagestouren dauern etwa 12 Stunden und bei einem 2-Tages-Hike ist man insgesamt 28-30 Stunden unterwegs.

Tagestour zur Vulkanspitze

Tagestouren zum Vulkan finden sowohl morgens, als auch abends statt. Entweder von 4 Uhr in der Früh bis 16 Uhr oder von halb zehn bis 22.30 Uhr. In der Tourbeschreibung steht schon “High Difficulty”, daher sollte man die Tour nur planen, wenn man auch fit genug ist.

2-Tagestour zur Vulkanspitze

Diese Tour würde ich dir empfehlen, da die Übernachtung neben einem aktiven Vulkan einfach unbeschreiblich ist. Die Touren starten früh morgens und dauern bis zur Mittagszeit des nächsten Tages. Alle Tourangebote, die wir gesehen haben, ähneln sich sehr. Zeitlich starten diese alle fast gleich und ebenso sind Jacken und Essen meistens mit inbegriffen. Allerdings gibt es bei dem Begriff “Essen” eine unterschiedliche Definition. Viele Trekker, die wir getroffen haben, bekamen abends nur ein paar Instant-Nudeln und mussten dann hungrig ins Bett gehen. Daher informiere dich lieber vorher genau, was bei deiner Tour genau inkludiert ist. Wenn das alles schon etwas zu anstrengend klingt, dann empfehle ich dir mit etwas kleinem zu starten. Lies hier über unsere Tour zum Pacaya Vulkan.

Unsere Tour zum Acatenango

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

Der Start

Montagmorgen: Wir stehen um 7.30h mit unseren Backpacks und stramm gezogenen Trekkingschuhen vor unserer Unterkunft bereit. Die Abholzeit ist wohl immer die gleiche, aber wie es überall in Guatemala so üblich ist, beginnt dann erst das Aufgabeln. Wir warten insgesamt 40 Minuten vor unserem Apartment bis dann ein kleiner Minibus anrollt, der aber schon fast voll ist. Ich schmeiße meinen Rucksack aufs Dach und die Fahrt geht los. Wie sich herausstellt, sind wir die letzten Wanderer, die abgeholt werden müssen. Perfekt, lieber an der Unterkunft warten, als über das Kopfsteinpflaster von Antigua zu schaukeln. Etwa eine Stunde geht die wilde Fahrt über die Serpentinen, wobei mir mein Ohrdruck zu verstehen gibt, dass es bergauf geht. Aus einem Minibus wird plötzlich eine dreier-Minibusse-Kolonne und wir merken, dass unsere Wandergruppe nicht nur aus den neun Leuten in unserem Bus besteht, sondern etwas wächst.

Leihausrüstung im Basislager

Wir erreichen unser “Basislager” in San Jose Calderas, an dem wir unsere Ausrüstung bekommen und die Tour bezahlen. Der Guide heißt uns willkommen und erläutert uns den Ablauf. Es gibt drei Mahlzeiten, von denen wir aber nur unser Lunch hochtragen müssen, der Rest stehe am Zeltcamp bereit. In dem Ausstattungsraum können wir uns kostenfrei mit Jacken eindecken. Alles Modelle, die ich mal in die Kategorie “Retro” packen würde. Linda und ich entscheiden uns spontan dazu noch Handschuhe und Mützen zu mieten. Pro Stück bzw. Paar zahlen wir Q10 (1,10€). Draußen verleiht eine nette Frau noch Wanderstöcke (selbstgeschnitzt), von denen wir auch noch zwei (natürlich beide für die Madame) für je Q5 leihen.

Wir reisen beide nur mit unseren Handgepäcks-Rucksäcken, den diebstahlsicheren Pacsafes. Und da wir einen als “Safe” in der Unterkunft lassen wollten, können wir kostenfrei beim Touranbieter noch einen weiteren Rucksack leihen. Jacken gibt es genügend und so entscheide ich mich zwei mitzunehmen, eine Dünne und eine Mitteldicke. Linda setzt alles auf eine riesige Daunenjacke. (Foto kommt später…wird lustig!)
Wir bekommen noch unsere Lunchpakete, Linda vegetarisch und ich mit Huhn, und dann gehts wieder in den Minibus.

Wanderstart

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

Etwa zehn Minuten später stehen wir in La Soledad am Fuße des Trails. MapsMe sagt mir sogar “Start of Acatenango Trek”. Rucksack auf und los gehts!
Naja nicht ganz – nach zwei Minuten bremst uns der Touranbieter noch einmal, versammelt unsere Gruppe, gibt eine Mini-Einweisung, wünscht uns eine gute Wanderung und “übergibt” uns an seine Guides. Jetzt aber! Der Weg ist gleich von Beginn locker eine 7 von 10! Es ist gut steil und die losen Steine erschweren einem echt das Vorankommen. Die Uhr zeigt 10.20h und ich bin sehr froh, dass es jetzt noch bewölkt ist, da die Anstrengung nicht ohne ist. Die Gruppen vom Vortag kommen uns nach und nach entgegen und der Untergrund wird immer staubiger. Wir sind froh die Buffs dabei zu haben und ziehen diese ständig vor Mund und Nase. Die Gruppe zerstreut sich langsam und der Wanderpfad wird zunehmend enger. Nach 50 Minuten schnurstracks berghoch ist dann erstmal Pause angesagt. Wir versammeln uns an einem kleinen runden Wanderplatz und füllen das ausgeschwitzte Wasser auf, wobei ich mich zügeln muss. Wir haben nur drei Liter pro Person dabei. Noch schnell eine Handvoll Nüsse in den Mund geworfen und schon geht es weiter.

Der Weg wird zunehmend schattiger, der Waldabschnitt rückt näher und wird zunehmend dichter. Wir passieren einen kleinen Stand der Getränke, Snacks und sogar Bier verkauft. “Oh, Modelo Beer!”, stöhnt der Kanadier hinter mir und auch ich hätte jetzt Bock auf ein kaltes Pils, aber: „Der Berg ruft!“, oder wie heißt das? Meine kurze Hose war für den Start gar nicht schlecht, aber die Kälte nimmt mit der Zeit zu und ich überlege schon die lange überzuwerfen.

Lunchpause

Nach unzähligen geschlängelten und steilen Wegen durch den Wald erreichen wir unseren Lunch-Stopp. Eine flache Lichtung, an der sich verteilt alle Wandergruppen des Tages niederlassen. Ich freue mich auf das Essen und packe mein Mittagspaket wie ein Fünfjähriger aus. Reis, Chicken und Gemüse, das Herz eines Fitnessliebhabers blüht auf. Noch dazu schmeckt es fantastisch! Außerdem liegt noch ein kleines Baguette und ein Apfel in der Lunchbox. Die Portion ist auf keinen Fall zu knapp und gibt gut Energie! Zwischendurch ziehen sich mehrere Trekker ihre Jacken über, da wir uns schon über 3000 Metern befinden und es immer frischer wird.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

Es geht weiter Richtung Sonne! Die Guides sprechen zwar ein paar Worte Englisch, aber ich nutze die Chance mein frisch gelerntes Spanisch mal anzuwenden. Elisandro erklärt mir, dass wir die Hälfte schon fast geschafft haben und er ein bis zweimal die Woche den Acatenango erklimmt. Ich nicke selbstverständlich, aber denke mir nur: “Mannomann – tougher Typ!”. Der Hike und die Höhenmeter sind nicht zu unterschätzen und wenn man das zweimal die Woche macht, Hut ab!

Endspurt zum Base Camp

Wir kommen an ein Schild mit der Aufschrift “Fin de la Calle” und schauen uns alle nur verwundert an. Niemand hätte bis jetzt gedacht, dass man bis hier mit einem Auto fahren könnte. Wie sich aber herausstellt, führt ein Weg parallel zum Wanderpfad, sodass man den normalen Hike zum Acatenango auch abkürzen könnte (eventuell eine Idee für weniger fitte Trekker – aber ich hab von anderen Wanderern auch das Wort “cheaten” in dem Zusammenhang gehört). Der Wald lichtet sich und gibt den Blick frei auf eine atemberaubende Landschaft. Wir sehen die Täler Guatemalas von oben und ich lasse die Kapazität meiner Foto-Speicherkarte in Windeseile schrumpfen. So viele Fotos und Videos, wie auf dieser Wanderung, habe ich selten aufgenommen.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

Es wird zum Schluss hin etwas flacher und aus dem anstrengenden Hike wird eine sehr schöne Wanderung. Und siehe da: Der Fuego kommt in Sichtweite! Der Vulkan, der die eigentliche Attraktion der Wanderung ist, da er ständig Lava spuckt. Wir nähern uns immer mehr, sehen die gigantischen Aschewolken über dem Krater und der Vulkan scheint fast zum Greifen nah -unbegreiflich!! Eigentlich gar nicht so ungefährlich, aber deswegen machen wir das hier ja auch. Es ist halt ein Abenteuer, von dem ich meinen Urenkeln noch berichten werde. Nach guten vier Stunden erreichen wir unser Camp um 14.30h und werden von unseren Guides abgeklatscht.

Ankunft am Übernachtungsplatz

Das Camp sieht mega aus: Mehrere Zelte am Hang aufgereiht mit Blickrichtung gen Volcán de Fuego. “Hotelzimmer mit Ausblick” sozusagen. Insgesamt gibt es etwa 15 Zelte, für zwei und drei Personen. Wir bekommen ein Zweierzelt ganz außen und die drei Mädels, die alle alleine zum Trek gekommen sind, teilen sich eins.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
Das Basecamp auf ca. 3700 Höhenmeter
3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
So haben wir unsere „Suite“ vorgefunden

In der Mitte des Camps ist die überdachte Feuer-Koch-Ess-Aufwärm-&-Chill-Stelle aufgebaut. Das Feuer brennt schon fleißig, aber bei der strahlenden Sonne haben wir noch keinen Bedarf uns aufzuwärmen. Zumal ich bereits im Zelt von der kurzen auf die lange Hose gewechselt habe. Fasziniert blicken allen Trekker in Richtung des Fuegos, der ab und an eine Rauchwolke von sich gibt. Bei diesem Panorama kann einfach keine Kamera in der Tasche bleiben. Ein paar Selfies später versammeln wir uns alle am Feuer und schnattern über Gott und die Welt. Kurz spiele ich mit dem Gedanken noch etwas weiterzuwandern, um meinen Kopfschmerzen (aufgrund der Höhe) etwas entgegenzuwirken. Linda und die anderen Leute scheinen keinerlei Probleme damit zu haben. Als unsere Guides dann langsam anfangen, dass Abendessen zuzubereiten, ist mein “Wandergedanke” auch schnell verflogen.

Dinnertime

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
Abendessen im Zeltcamp

Drei Töpfe stehen auf dem Grill, in denen Bohnenmus (Frijoles), Nudeln mit Gemüse und Kartoffelbrei gerührt werden. Ganz schön große Kübel, die auch irgendwie hier hoch gekommen sein müssen, denke ich mir. Die Guatemalteken leisten echte Arbeit! Der herrliche Duft des Essens nimmt zu und der Magen meldet sich auch langsam, man hat schließlich eine Menge Kalorien verbrannt, die der Körper nun wieder einfordert. Gegen 17.30 Uhr werden die Teller verteilt. Zusätzlich zu den Klecksen gibt es noch die typischen Tostadas – es schmeckt grandios! Es ist für reichlich Essen gesorgt, sodass die Jungs sich fast alle noch einen Nachschlag gönnen.
Die Dämmerung tritt ein und der Himmel färbt sich hinter den Vulkanen langsam orange. Außerdem wird die erste Lava des Fuegos sichtbar. Die Wolken ziehen in Windeseile um die Gipfel und und bin nicht der Einzige der Spaß an Zeitrafferaufnahmen hat. Wenn man die ganze Zeit so vor sich hin staunt und kaum realisieren kann, wo man hier gerade steht und was man hier sieht, wird einem doch irgendwie kalt. Der Anbieter hat beim Jackenverleih schon erwähnt, dass viele Trekker die Kälte unterschätzen und es bis zu minus 5°C werden kann. Tja, und genau das merke ich und ziehe mir meine zweite Hose unter die Trekkinghose.

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Nachtisch bei Eruptionen

Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es den Nachtisch: Marshmallows und Schokolade. Wir versammeln uns alle am Feuer, grillen die Zuckerbälle und schlürfen dabei selbstgemachte heiße Schokolade . Es wird wirklich von Minute zu Minute kälter, da der Wind am Berghang auch nicht unbedingt sachte ist. Immer öfter muss man sich aber vom Feuer entfernen, um den Fuego in seiner vollen Pracht zu sehen. Durch die Dunkelheit wird seine Aktivität nun klar: Er spukt orange, glühende Lava und das nicht zu knapp. Zudem hört man die Eruptionen durch laute Knalle! Euphorisch tingeln alle Trekker zwischen wärmendem Feuer und freien Blick auf dem Vulkan.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala - Fuego

Licht aus und gute Nacht

Wir sind auf ca. 3700 Höhenmeter, es wird gefühlt immer kälter und leider hat das Plumpsklo im Bretterverschlag keine Lagerfeuer-Heizung ;). Die Ersten verziehen sich langsam ins Zelt und auch wir machen uns gegen 21 Uhr auf in unser Schlafgemach. Die Guides haben gesagt, dass um 4.10 Uhr geweckt wird und es um 4.30 Uhr losgehen soll. Das Zelt ist mit zwei Schlafsäcken und je zwei Isomatten ausgestattet. Ich springe zunächst mit kompletter Montur rein, um mich etwas aufzuwärmen, wage dann aber Step-by-Step meine Klamotten auszuziehen! Frostig, aber ich weiß, dass es gleich wärmer wird, hoffe ich zumindest. Bei unserer Everest Wanderung war es noch wesentlich kälter. Okay, Gute Nacht! Nee halt Stopp, das ist ja verdammt laut hier! Der Wind pfeift ohne Ende um das Zelt und alle paar Minuten macht der Fuego Lärm. Oropax rein und jetzt aber Licht aus!

Finaler Hike bei Dunkelheit

Hola, buenas días! Also ich habe verdammt schlecht gepennt! Laut, hart, kalt, dann wieder warm und natürlich die Höhenmeter. Aber ich habe es nicht anders erwartet. Linda hatte nur Probleme mit dem harten Boden, hat aber sonst ganz gut geschlafen. 4.10 Uhr zeigt die Uhr und wir machen uns fertig für den finalen Climb! Kurz nochmal pinkeln und wie ein Wahnsinniger sein handy suchen, welches sich unter der Isomatte versteckt hat. Dadurch sind wir die letzten in der Gruppe. 4.37 Uhr und es geht auf nüchternen Magen straight bergauf. Da ich immer morgens jogge, ist das für mich weniger problematisch, für viele andere Trekker allerdings schon. Nach wenigen Metern legen wir schon die erste Pause ein und somit zieht es sich etwas. Wir haben nur eine Stirnlampe, die Linda trägt und uns beiden den Weg leuchtet.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala - SummitDen Buff vor den Mund gezogen und den Rucksack mit den zusätzlichen Jacken und Wasser auf dem Rücken bahnen wir uns den Weg voran. Der Untergrund wird loser und loser und man fühlt sich wie auf einem Stairmaster (das Treppensteigen-Gerät im Fitnessstudio). Man macht seine Schritte, scheint aber nicht vorwärts zu kommen, frustrierend sowas. Die Gruppe verteilt sich immer mehr und Linda kämpft mit ihrer Rutschangst. Wir kommen nur langsam dem Gipfel näher und der Himmel beginnt sich langsam zu färben.

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Sonnenaufgang am Summit

Um halb sechs haben wir es geschafft, wir erreichen den Summit! „Juhuu!“ und “Oh Nein” zugleich!!! Hier ist es nochmal windiger und die gefühlte Temperatur möchte man glaub ich gar nicht wissen. Aber bei diesem Ausblick ist das alles nebensächlich. Wir stehen auf 3967 Höhenmeter und sehen vor uns den Vulkan Agua und den rauchenden Fuego hinter denen sich langsam die Sonne erhebt. Die hügelige Landschaft von Guatemala zeigt sich von ihrer schönsten Seite und wir haben freie Sicht bis zum Pazifik – WOW!

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
Sunrise auf 3976 Meter – Der Blick über Guatemala

Diese 360 Grad Aussicht war jeden Schritt und die ganze Gänsehaut wert! Ich hole mit zitternden Händen mein Summit-Snickers aus dem Rucksack und breche mir fast die Zähne ab, weil es von der Kälte so hart ist! In einem, der beiden Hauptkrater des Acatenango erkennen wir die “Rescue-Hütte”, die zum Schutz bei eventuellen Temperaturstürzen dient. Es versammeln sich nach und nach alle Wandergruppen hier oben, insgesamt sollen es heute 250 Leute sein.

Zum Frühstück rutschen

Etwa 30 bis 40 Minuten halten wir alle hier aus, bevor der schnelle Abstieg zum Zeltlager beginnt. Zu Beginn geht es den gleichen Weg zurück, dann schlagen wir aber den Shortcut ein.

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala
Sogar Hunde bestaunen die Eruptionen am Morgen

Es ist eine steile Schotterpiste, auf der ich bei dem ersten Blick nicht runter gegangen wäre. Aber schon nach ein paar Metern merkt man, wie easy und genial es ist! Die Beine sacken bei jedem Schritt locker 20 Zentimeter in das Geröll  Sand und Stein aus Lava) ein und man “slidet” förmlich den Abhang hinunter. Das mag jetzt gefährlich klingen, ist es aber nicht. Sogar Linda mit ihrer Rutschangst hat sichtlich Freude an der „Piste“. Nach wenigen Augenblicken sind wir auch schon bis zum Basecamp gedriftet. Es steht bereits ein Topf mit Oatmeal auf dem Grill und die Pancakes werden fleißig gewendet. Mit einer Banane und Ahornsirup werden nun fleißig die Zuckerreserven aufgefüllt.

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Idyllischer Abstieg

Um zehn vor acht haben wir alles gepackt, die Lava-Reste aus den Schuhen gekippt und wir machen uns auf den Weg nach unten. Der Himmel ist strahlend blau und die Sonne hat enorme Kraft. Mütze auf und den Buff bis über die Nase gezogen, geht es nun bergab. Die Gruppe verteilt sich wieder und wir treffen uns nur an wichtigen Gabelungen, damit keiner falsch abbiegt. Nun kann man die Natur nochmal richtig genießen, grüne, hügelige Landschaft und herrliche Luft! Eine Wanderin zieht den Vergleich zu dem Film “Herr der Ringe” und alle sind sich einig, dass sie Recht hat!

3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala

Da jeder genug Luft zum Atmen hat, kommt man jetzt mehr mit den anderen Wanderern ins Gespräch. Letzter Stopp ist da, wo wir beim Aufstieg den ersten Halt gemacht haben. Die Truppe versammelt sich und auch die Guides schnaufen einmal durch. Obwohl es noch 20 Minuten bergab sind, bedanken sich die Guides bei uns und sagen schonmal Tschüss. Es ist halb elf als ich meinen Rucksack abschmeiße und mir das High Five vom Chef der Truppe abhole – geschafft! Die letzten Meter waren nochmal verdammt staubig und die Knie brennen jetzt ganz schön, aber es hat sich gelohnt. Mit den Minibussen geht es den gleichen Weg zurück. Jacken zurückgeben, nochmal fix auf Toilette und dann Richtung Antigua. Um genau 12 Uhr sind wir wieder im Apartment, hundemüde, staubig ohne Ende, aber immer noch fasziniert, was wir in den letzten 28 Stunden erlebt haben.

Acatenango Packliste – Welche Dinge sind essentiell

Die Touren sind alle so ausgelegt, dass sie auch Traveler mit leichtem Gepäck bewältigen können. Essen, Zelt, Isomatten, Schlafsäcke und dicke Jacken werden gestellt. Für einen kleinen Preis kannst du dir Schal, Handschuhe, Mütze und Wanderstöcke aus Holz leihen. Das Wichtigste sind die Schuhe. Es ist möglich, den Hike mit normalen Sneakern oder Turnschuhen zu bewältigen (wir hatten Leute in unserer Gruppe, die es gemacht haben). Hast du aber die Möglichkeit, würde ich echt Trekkingschuhe  empfehlen.

Der Veranstalter, bei dem wir die Tour gebucht haben, hat angeboten uns kostenfrei einen Rucksack zu leihen, sodass das auch kein Problem sein sollte, wenn du mit einem Koffer unterwegs bist.

Bei der Tour inklusive

  • Lunch: Hähnchen, Gemüse, Reis, Baguette, Apfel (Vegetarische Option möglich)
  • Dinner: Bohnenmus, Kartoffelbrei, Nudeln mit Gemüse und Tostadas, heiße Schokolade und Marshmallows
  • Frühstück: Oatmeal mit Wasser, Banane, Pancakes mit Ahornsirup
  • dicke Jacken
  • Trekking-Rucksack (auf Anfrage)
  • Wanderstöcke aus Holz (Leihgebühr je Q5)
  • Dicke Mütze (Leihgebühr Q10)
  • einfache Handschuhe (Leihgebühr Q10)
  • Schal (Leihgebühr Q10)
3976 Höhenmeter - Acatenango Vulkan Tour in Guatemala - Reebok Trekkingschuhe
Empfehlenswert: Trekkingschuhe

Folgendes würde ich zusätzlich einpacken

  • Wasser (wir kamen mit 3 Liter pro Person aus)
  • Snacks: High Calorie! Wir hatten Nüsse, Schokolade und zwei Summit-Snickers dabei
  • Trekkingschuhe
  • Stirnlampe
  • winddichte Jacke
  • Buff –  das Teil war wirklich essentiell, da es zum einen vor der Kälte und der Sonne schützt und zum anderen vor dem vielen Staub
  • genug warme Kleidung: Abends habe ich zwei Hosen und drei Oberteile unter den Jacken getragen. Aber auch nicht zuuu viel, da du alles selber tragen musst.

Zum Beitrag: Guatemala Packliste – Alles was du in Mittelamerika brauchst

Acatenango – Fazit

Die Wanderung war eines unserer absoluten Highlights in Guatemala!
Einem aktiven Vulkan so nah zu kommen, auf dem Gipfel des Acatenangos über Guatemala zu blicken und einen Sonnenaufgang zu genießen, sind Bilder in unserem Kopf, die wir nie wieder vergessen werde! Das Gefühl während wir Marshmallows rösteten, Lava fließen und spritzen zu sehen und das donnerähnliche Geräusch des Volcán de Fuego zu hören, bereitet uns heute noch Gänsehaut und lässt uns noch immer glücklich und stolz breit grinsen. Wir haben uns die gesamte Zeit über sehr sicher und gut betreut gefühlt. Die Guides waren extrem bemüht allen gerecht zu werden und hatten stets alle Teilnehmer im Blick. Das Essen war lecker, die Nacht kurz, lustig und auch abenteuerlich! Kurzum – du musst diese Erfahrung einfach selber machen und den Acatenango besteigen!
Letzter Tipp: Vermeide übrigens das Wochenende, da die Landschaft durch lokale Touristen dann voll werden kann.

Hast du noch Fragen zur Vulkanwanderung, dann lass uns einfach einen Kommentar da.
Vielleicht hast du die Tour auch bereits hinter dir – Wie war es für dich? Für freuen uns über deinen Erfahrungsbericht in den Kommentaren!

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